Mittwoch, 19. August 2015

Zeitzeugengespräch mit Siegfried Heilig

ZeitzeugengesprächIm Rahmen des Geschichtsunterrichtes und in Zusammenarbeit mit Jana Müller (Alternatives Jugendzentrum e.V. Dessau) führten Schüler der Klasse 10a im November ein  Zeitzeugengespräch mit Siegfried Heilig durch.

Herr Heilig, Jahrgang 1934, wuchs in Magdeburg auf. Dank seiner Großmutter Anna Heilig entkam er mit seinen Eltern und Geschwistern der Deportation der Sinti und Roma aus Magdeburg nach Auschwitz-Birkenau am 1. März 1943. Anna Heilig wurde in Auschwitz-Birkenau ermordet.
Den Auftakt der Veranstaltung bildete der Film "Meine Großmutter hat uns das Leben gerettet". Der vom AJZ e.V. Dessau produzierte Film dokumentiert die Spurensuche Siegfried Heiligs nach Angehörigen seiner Familie.

Mittwoch, 13. Mai 2015

Geschichte begreifen und fühlen – historische Exkursion des Jg. 10 nach Bernburg


Die Gedenkstätte Bernburg
Auf dem Gelände der ehemaligenGedenkstätte Bernburg-Gaskammer Landes-Heil- und Pflegeanstalt befindet sich heute das Fachklinikum für Psychiatrie. Im Keller des nach dem Psychiater Wilhelm Griesinger (1817-1868) benannten Gebäudes wurde 1952 vom Verband der Verfolgten des Nationalsozialismus noch eine Urne in der ehemaligen Gaskammer aufgestellt. Danach schwanden die Opfer der NS-„Euthanasie“ weitestgehend aus dem öffentlichen Gedächtnis.

Erst 1982 wurde ein Teil der Kellerräume zu einer kleinen Gedenkstätte umgestaltet, die allerdings noch nicht öffentlich zugänglich war, und deren unter großen Schwierigkeiten erarbeitete Ausstellung auf Dauer den Erfordernissen nicht genügen konnte. Sie bezeichnet aber den Beginn einer ernsthaften Aufarbeitung der Morde an kranken und behinderten Menschen durch Mitarbeiter/innen des Krankenhauses.
Nach einer denkmalpflegerischen Untersuchung begann ab 1988 die Neugestaltung als Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“. Im Mittelpunkt stehen heute die baulichen Reste der Vernichtungsanlage, ergänzt durch eine Ausstellung über nationalsozialistische Zwangssterilisation, „Euthanasie“ und „Sonderbehandlung 14 f 13“ in Bernburg.
Erst 1982 wurde ein Teil der Kellerräume zu einer kleinen Gedenkstätte umgestaltet, die allerdings noch nicht öffentlich zugänglich war, uTodeskammerDie Gedenkstätte wird seit der Neueröffnung im September 1989 von Besucher/innen aus dem In- und Ausland aufgesucht, deren pädagogische Betreuung den Schwerpunkt der Gedenkstättenarbeit bildet. Die Gedenkstätte wird überwiegend von Gruppen besucht. Angesprochen sind dabei nicht nur die allgemein bildenden Schulen (Fächer Geschichte, Sozialkunde, Religion, Ethik, Philosophie), sondern auch Kranken- und Altenpflegeschulen sowie weitere Bildungseinrichtungen.
Die Arbeit der Gedenkstätte ist geprägt von einem aktiven Gedenken, das durch die Vermittlung von Sachinformationen den Besucher/innen helfen soll, Wege zu eigenen Erkenntnissen zu finden. Inhaltlich erfolgt keine zeitliche Begrenzung auf den Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt stehen stattdessen Kontinuitätslinien in der Ausgrenzung sozialer Randgruppen von 1900 bis zur Gegenwart und das ihnen zugrunde liegende Gedankengut sowie die Auseinandersetzung damit, wie Menschen unter bestimmten Bedingungen zu Tätern werden. Da in der Gedenkstätte nur eine kleine Ausstellungsfläche verfügbar ist, wird auf Wunsch und nach Anmeldung eine Führung in deutscher oder englischer Sprache angeboten. Die Besucher/innen haben darüber hinaus die Möglichkeit, sich während ihres Aufenthaltes in der Gedenkstätte im Leseraum und Medienraum ausführlicher über spezielle Fragen, über aktuelle Veröffentlichungen und die Arbeit anderer Einrichtungen zu informieren. Die direkte pädagogische Betreuung vor Ort wird ergänzt durch die Beratung von Multiplikator/innen der politischen Bildung. Sie können hier didaktische und methodische Hinweise zur Gestaltung eines Unterrichtskonzeptes zu den „Euthanasie“-Verbrechen im Dritten Reich sowie Hinweise zu ausgewählten Fragen nationalsozialistischer Gesundheits-, Sozial- und Rassenpolitik erhalten. Entsprechende Materialien werden von der Gedenkstätte zur Verfügung gestellt.
Die künftige Arbeit soll den Charakter eines Ortes der Begegnung, der Besinnung und des Gespräches miteinander weiter verstärken

© Förderverein der Gedenkstätte Bernburg e.V.

Drei Steine und ein kleiner Koffer


Zur Verlegung der Stolpersteine
geschichte.stolpersteine2„Ich bin ein kleiner Koffer aus Frankfurt am Main und ich such` meinen Herren, wo mag er nur sein? Er trug einen Stern [...]“
Hermann Steinbock, Minna Steinbock und Charlotte Steinbock sind die Namen, welche man auf drei Messingsteinen nahe unserer Schule auf dem Gehweg lesen kann.

Diese drei Menschen trugen einen Stern, einen gelben Davidstern. Mit der Aktion Stolpersteine erinnert die Stadt Dessau-Roßlau an politisch verfolgte Menschen während des NS-Regimes.

Da drei dieser Steine nun in der Rabestraße verlegt worden sind, hat sich unsere Schule gern mit einigen Beiträgen an dieser Veranstaltung beteiligt. Ich rezitierte den Text „Ein Koffer spricht“ von Udo Lindenberg. Er erinnert ebenso wie die besagte Veranstaltung ein ein Verbrechen der Deutschen, an welchem meine Generation keine Schuld trägt. Dennoch ist es wichtig bis heute die Vergangenheit aufzuarbeiten.

geschichte.stolpersteine3Es handelte sich um ca. 80 Teilnehmer und ich denke, dass alle ebenso wie ich sehr emotional aufgewühlt waren. So musste ich doch einige Male einen Kloß herunter schlucken bevor ich anfing zu singen. Ich hoffe, dass noch viele Stolpersteine folgen werden. Sie sind ein kleines Zeichen gegen den Nationalsozialismus und halten die Erinnerung an die zahlreichen Opfer wach.

 

 

„Ein Koffer spricht“


Liedtext von Ilse Weber (geb. 1903 - ermordet 1944 in Auschwitz)
Vertonung von Nizza Thobis
Ich bin ein kleiner Koffer aus Frankfurt am Main,
und ich such meinen Herrn, wo mag er nur sein,
er trug einen Stern, und war alt und blind,
und er hielt mich gut, als wär´ ich sein Kind.
Ich hab meinen Herrn begleitet, jahraus jahrein,
auch diesmal ging ich mit ihm, nun ist er allein,
er war alt und blind, wohin ist er gekommen,
und weshalb hat man mich ihm weg genommen?
geschichte.stolpersteine1Ich bin ein kleiner Koffer...
Warum bin ich auf dem Kasernenhof geblieben?
Sein Name steht doch auf meinem Kleid geschrieben.
Nun bin ich schmutzig, mein Schloss hält nicht mehr,
man hat mich geplündert, ich bin fast leer.
Nur ein Tuch ist noch da, ein Becher dabei,
seine kleine Blindentafel aus Blei,
alles ist fort, die Arzneien, das Brot,
er sucht mich gewiss, vielleicht leidet er Not
Ich bin ein kleiner Koffer...
Das muss schwer sein für einen Blinden,
mich in dem Stapel von Koffern zu finden,
ich kann es auch so schwer verstehen,
weshalb wir hier nutzlos zugrunde gehen.
Judith Antal
Fotos von der Verlegung der Stolpersteine 2010 vor dem Haus der jüdischen Gemeinde